SCHMERZTHERAPIEZENTRUM
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NEURALGIFORMER SCHMERZ
(NEURALGIE)


Eine Neuralgie wird häufiger auch als neuralgiformer Schmerz bezeichnet (neuralgiform = Neuralgie-artig). Der Begriff Neuralgie steht für eine spezielle Erkrankung einzelner Nerven.

Die (echte) Neuralgie ist gekennzeich net durch eine attackenweise au ftretender "heller" Sch merz im Ausbreitungsgebiet ein es sensiblen (= Wahrnehmung / Em pfindung betreffend) oder gem ischten (= Wahrnehmung / Empfindung sowie Musk elaktivität betreffend) Nervs, im eigen tlichen Sinne ohne Sen sibilitätsstörung und oh ne nachweisbare U rsache (Neuralg ia su i generis). Theoretisch könn te diese Schmerzform (echte Neuralgie) jeden Ner v betreffen. Die Praxis zeig t aber, daß nur wenige Nerven d ieses Krankheitsbild en twickeln können.

Wie komm t ein neuralgiformer Schmerz zustande ?

Aus bisher ungeklär ter Ursache, vermut lich aber durch Störungen im Metabol ismus (= Stoffwechselvorgänge), is t die Nervenzelle nich t in der Lage, ein stabiles Mem branpotential (= bioelektrische Ak tivität an biologischen St rukturen mit abschließender, begrenzen der oder trennender Fun ktion) von 60- 90mV (= 60-90 tausen dstel Volt) aufrech tzuerhalten, weshalb schon ger inge taktile (= den Tastsinn bet reffende) und therm ische (= die Temperatur betreffende) Re ize zu einer Depolarisat ion (= Verminderung oder Au fhebung der Spannung an der Trenn schicht) und dam it zu einem Schmerz füh ren können. Die nachfolgende Repo larisation (= Wiederauf bau der Spannung an der Trenn schicht) erfordert von der Zelle e ine hohe energetische Leist ung, die dem ohnehin geschwächten Me tabolismus (= Stoffwechselvorgänge) zus ätzlich abverlangt wird. M it jeder De- und nach folgenden Repolarisat ion erschöpfen sich zuneh mend die energetischen Reser ven und das Membranpotential sink t weiter ab, wodurch die An fälligkeit auf depolarisierende (= Verm inderung oder Aufhebung der S pannung an der Trennschicht bew irkende) Reize weiter zunimm t; damit tritt ein Circu lus vitiosus (= Teuf elskreis) ein, der aber im Rah men der speziellen Schmerztherapie m it Hilfe von wiederholten Nerven blockaden mit einem lang wirkenden, örtl ichen Betäubungsmittel nach haltig unterbrochen werden kan n (die sog. therapeutische Lokalanästhesie). Nervenblockaden in g rößerem Abstand (z.B. 2 x / Woche) reichen aber nich t aus, sondern es muß eine eng maschige Blockadeserie durch geführt werden, optimal 2x/Tag ü ber 14-12 Tage, auch an Wochen enden, was aber nur im Rah men einer stationären Sch merzbehandlung möglich ist.

Folgende Krankheits bilder / Schmerzsyndrome erfül len die Kriterien einer (ech ten) Neuralgie:

1) Trigeminusneuralgie (Supraorbitalneuralgie, In fraorbitalneuralgie, Quintus-Neuralgie)

2) Intermedius-Neuralgie (Genikulatumneuralgie, Hun t-Neuralgie)

3) Glossopharyngeus-Neuralgie

4) Laryngeus superior-Neuralgie

5) Neuralgie des Ganglion pterygopalatinum (Sluder-Neuralg ie)

6) Nasoziliaris Neuralgie (Charlin Synd rom)

7) Okzipitalneuralgie (Okzipitalisneuralg ie)

8) Spermatikusneuralgie (Samenstrang neuralgie)

9) Pudendusneuralgie

10) Mortonneuralgie (Morton Metatarsalg ie, Interdigitalneuralgie)

Weitere "Neuralg ien", bei denen aber trotz dieser Bezeich nung kein neuralgiformer Schmerz im Vordergrun d steht, sondern e her ein Dauerschmerz oder l änger anhaltende Sch merzepisoden:

11) Ischiasneuralgie (Isch ias, Ischiasneuralgie, Ischiad ikusneuralgie)

12) Interkostalneuralgie (Intercostal neuralgie)

13) Bing-Horton-Neuralgie (Clusterkopfsch merzen, Nervus petrosus-Neuralg ie)

14) Postzosterische Neuralgie (Postzosterneuralg ie, Zosterneuralgie)

15) Leistenneuralgie (inguinale Neu ralgie, Ilioinguinal isneuralgie)

Die einzelnen Kran kheitsbilder:

1) Idiopathische Trigeminusneuralgie
Die Trigem inusneuralgie ist gekenn zeichnet durch an fal lsartige Schmerzattacken mit max imaler Stärke und überwiegend ku rzer Dauer (Sekunden). Der Sch merz bereich deckt sich m it dem Ausbreitungsgebiet des be troffenen Nervenastes. Die Schmerzan fälle können auch durch phys iologische, taktile (= den Tastsinn be treffend), thermische oder propriozept ive (= den Eigenreflex betreffende) Reize ausgelöst werden. Häu fige Triggermechanismen (= Aus lösemechanismen) sind Kauen, Sprec hen oder bestimmte Gesichtsbeweg ung en, die Berührung bes timmter Hautareale, die Einwirkung von Wasser ode r generell Kälteexposition. Me istens sind bei der Tri geminusneuralgie Triggerpunkte bzw. Trig gerzonen (= Punkte, Zon en, die einen Schmerz aus lösen können) iden tifizierbar.
In der Regel tritt die Schmerz
attacke streng einseitig auf (5% beidsei tig) und überwiegend i m 2. und 3. Ast (ca.  4% 1. Ast) (Thoden 1987). D ie Beschwerden treten of t periodisch auf, schmerz freie Intervalle sind häu fig. Manchmal gehen die Attac ken der Trigeminus-Neu ralgie auch in äußerst sch merzhafte längere Salven ü ber. Bei stärksten Sch merzattacken treten Zuckungen der Gesich tsmuskulatur hinzu (Tic dou loureux).
Im Anfall ist die be
troffene Gesichtspartie meist leicht gerö tet, bedingt durch den Schmerz kan n Tränensekretion ausgelöst werden, w as dann oft zur Verwechs lung mit dem Cluster-Kopfschmerz fü hrt, besonders wenn der 1. As t betroffen ist. Im Untersch ied zum Clusterkopfsch merz treten die Schmerzanfälle meis t nur am Tage auf.
Bei der körperl
ichen Untersuchung sind die zu gehörigen Nerven austrittspunkte oft drucksch merzhaft (bei ca. 60%). Das weibl iche Geschlecht und Patienten je nseits des 40. Lebensjahres erkran ken häufiger an ein er Trigeminusneuralgie.
Diagnostik: Ausführl
iche Schmerzanamnese (= Vorgeschichte), neurolog ische Untersuchung, bei unklaren Be funden (z.B. neurologische Defizite) zusätzlich Rön tgenaufnahme der Schädel basis und CT, u.U. auch Kerns pintomographie sowie Liquordiagnostik (= Un tersuchung des Hirnwassers).

Medikamentöse Therapie der Tri geminus- Neuralgie: Als erste Wah l gelten heute Gabapentin oder Pregabal in, als 2.  Wahl Carbamazepin. Die Kom bination mit Baclo fen hilft Gabapentin bzw. Pregabal in oder Carbamazepin ein zusparen. Gu te Resultate sahen wir teil weise auch unter einer Therapie mit Lam otrigin.
In der Regel sin
d bei dieser Neuralgie per ipher wirksame Analgetika (= Schmerzmi ttel) ohne Nu tzen, zentral wirksame allen falls in hoher Dosierung.
Bei stärksten Sch
merzattacken mit statusähnlichem Charak ter hat sich die Verabreichung von Pheny toin als Kurzinfusion bewährt.

Bewährt hat sich be i der Trigeminusneuralgie auch d ie therapeutische Lokalanästhesie (= Behan dlung mit einem örtlichen Betäubungsmi ttel) (Leeser et Hefermann 19 89). Dabei werden j e nach individueller Wirk zeit 2-3 x täglich die betroffenen Gesich tsnerven bzw. Nervenäste an i hren Austrittspunkten (Foramen su praorbitale, infraorbitale oder men tale) mit ca. 1 ml Bu pivacain 0,5% blockiert und d ie im Anfall dominan ten Schmerzareale und Trigger zonen flächenhaft mit ca. 2-3 m l Bupivacain infiltriert. Ein e Leitungsanästhesie der Nerven maxill aris und mandibularis kann auc h durch die Incisura mand ibulae (= Einkerbung des Un terkiefer s nahe am Kiefergelenk) h indurch mit jeweils ca. 2-3 m l Bupivacain (0,5%) erfol gen. Nächst höhere Therapiestu fen sind dann Bloc kaden des Ganglion cervicale su perius oder Ganglion stellatum (= Schal tstellen im unwillkürlichen Nervensystem im hin teren Rachen - bzw. seitlichen Hals bereich).
Unter dieser konsequen
ten, täglichen Therapie kan n dann eine bestehende Car bamazepin- (bzw. Gabapentin oder Pregabal in-) Medikation langsam aussch leichend reduziert werden, oh ne daß wieder ein he ftiger, neuralgiformer Schmerz au ftritt.
Neurochirurgische Interven
tionen sollten nur dann zum Ein satz kommen, wenn medikamentöse Behand lungsversuche erfolglos bleiben.
Nichtmedikamentöse Therapiemaßna
hmen haben sich bei d iesem Schmerz (neuralgiformer) nich t oder nur ungenügend bewähr t.

2) Intermedius-Neuralgie
Diese Gesichtsneuralgie is t gekennzeichnet durch ein en streng einseitigen, attacken förmigen, lanzierenden Sch merz im Bereich des äußeren Gehör gangs mit Ausstrahlung in die Tiefe des Oh r es, zum Gesicht, bis hin zum Gau men dach und Oberkiefer. Häu fig strahlen die Besch werden auch nach hin ten bis und führen zu Nackensch merzen. Oft gesellt sich eine Hypersek retion der Speicheldrüsen (= vermehr te Speichelbildung) dazu.
Neben der idiopath
ischen (= eigenständige Erkrankung) g ibt es auch eine symptomatische (= als Kran kheitsfolge) Form bei Zos terinfektion des Ganglion gen iculi, wobei auch eine Fazial isparese (= Lähmung der Gesichtsmus keln) auftritt.
Die Therapie der Wahl besteh
t bei der Intermediusneuralgie in der Verord nung von Antikonvulsiva (= krampf lösende Mittel) (Gabapentin oder Pregabal in als erste Wahl). Erfolgversprechen d ist auch eine Serie von Bloc kaden des Ganglion stellatum - oder cerv icale superius (= Betäubung einer vege tativen Schaltstelle im seitlichen Halsbe reich bzw. hinter dem Rac hen).
Bei der Hunt-Neuralgie handel t es sich ebenfalls um eine Neuralg ie des Nervus intermedius, d ie aber im Zusammenhang m it einer Zoster-Infektion (= Gürtelrose) en tstand.

3) Glossopharyngeus-Neuralgie
Ein stren
g einseitig auftretender, neuralgiformer Schmerz, der vor wiegend im Bereich des Rach ens, des weichen Gaumens und des Zun gengrundes auftritt, manchmal au ch mit Ausstrahlung zum Ohr h in oder in die Zäh ne, kennzeichnet diese Neural gie.
Eine weitere Ähnlich
keit mit der Trigem inusneuralgie besteht darin, daß of t Triggermechanismen (= schmerz auslösende Mechanismen) im Schmerzbereich vorl iegen.
Die Diagnose ein
er Glossopharyngeusneuralgie ist ein fach, wenn durch Spateldruck in der Tonsillen region (= Mandelregion) eine t ypische Schmerzattacke ausgelös t werden kann. Teilweise geben die Patien ten an, daß auch durch Gäh nen oder ausgedehnte Zun genbewegungen ein Schmerzanfall ausgelös t werden kann.
Synkopen
(= kurze Bewußt losigkeit) und Herzstillstände sin d beschrieben, dürften jedoch äußers t selten sein. Manchmal strah len die Beschwerden zum Mastoid (= Knoc hen hinter dem Ohr) aus, was zu r Verwechslung mit der In termediusneuralgie führen kann.
Wie bei der Tr
igem inusneuralgie kommen auch sch merzfreie Intervalle vor.

Therapeutisch gel ten bei der Glossopharyngeusneuralg ie als Mittel der ersten Wahl Gabapen tin oder Pregabalin, als zweite Wah l Carbamazepin. Hilfreich, vor al lem wenn die Attacken nicht so häu fig auftreten, ist bei d ieser Neuralgie auch eine Ober flächenanästhesie im hinteren Rachen bereich mit 2% igem Lidocain (= ein mittellang wir kendes örtliches Betäubungsmittel) in Sprayfor m. Mittels des langen u nd dünnen Auslaßröhrchens können d ie einzelnen Hübe zieml ich genau in den Triggerbereichen plazier t werden. Der Patient kann die Anwendung oh ne weiteres vor dem Sp iegel erlernen. Bei einer solchen Sel bstmedikation muß wegen der Ge fahr der Überdosierung die Anzah l der Einzelhübe und der möglichen Gesam thübe eines ganzen Tages vorgesch rieben werden.
Bei diesen Gesich
tsschmerzen kann auch eine w iederholte Infiltrationsanästhesie (= Spri tzen mit einem örtlichen Betäubun gsmittel) mit Bupivacain 0,5% versuch t werden. Der Einstich erfolg t am oberen Rand des vorderen Gau menbogens, ca. 1-2cm neben der Mittell inie.
Eine gute Therapiemöglich
keit bietet auch die Stellatumblockade oder Gan glion cervicale superius-Blockade (= Betäu bung einer vegetativen Schaltstelle im sei tlichen Hals- bzw. Rachenbereich).
Vor neuroly
tischen (= nervenzerstörenden) Blockaden is t wegen der Gefahr der Nekrosebildu ng (= örtlicher Gewebstod) und nach folgender In fektion dringend zu warnen. Nach Jan etta (1967) können die neuralgiformen Beschwerden durch eine Kom pression des Nerven durch die A. ver tebralis (= Schlagader im Ber eich der Wirbelsäule) entstehen, wobei sich eine operative Dekom pression (= Druckentlastung) anbietet.

4) Laryngeus-superior-Neuralgie
Ein heftiger,
neuralgiformer Schmerz, der in der Regel se kundenlang (bis zu 2 Min) anhäl t, kennzeichnet d iese Neuralgie. Die Beschwerden werden hau ptsächlich im seitlichen Kehlkopf bereich verspürt, nicht sel ten aber dominieren die Ausstrah lungen zum Unterkiefer (Kieferwin kel) bis zum Ohrläppchen oder Gau men und geben dann zur Verwechsl ung mit der Glosso pharyngeusneuralgie Anlaß.
Es bilden sich typ
ische Triggermechanismen (= Auslösemechan ismen) wie Schlucken, Sprechen, Hus ten oder starkes Gähnen aus. Wie be i der Trigem inusneuralgie sind im Langzeitverlauf auch sch merzfreie Intervalle möglich. Die Besch werden treten streng einseitig au f.
Der Nerv entstamm
t dem N. vagus (= ein sog. H irnnerv). Er tritt seitlich du rch die Membrana thyroidea h indurch, wo er einer Betäubung m it einem Lokalanästheti kum (= örtliche Betäubungsmittel) zugängl ich ist. In hartnäckigen Fällen wir d man sich zu Stellatumblockaden - oder Ganglion cerv icale superius-Blockaden (= Betäubungen einer vege tativen Schaltstelle im seit lichen Hals- bzw. Rachenbereich) en tschließen.
Ansonsten gel ten medikamentös als Mittel der ers ten Wahl ebenfalls Gabapen tin oder Pregabalin (2. Wahl Car bamazepin).

5) Neuralg ie des Ganglion pterygopalatinum (Sluder-Neuralg ie)
Diese Gesichtsneuralgie ist charakter
isiert durch länger andauernde Attac ken (bis zu 20 min, selten länger) d ie sowohl am Tage als auch in der Nach t auftreten können. Betroffen is t einseitig die Orbita (= Augen höhle), der innere Augenwin kel und die Nasenwurzel, oft mit Auss trahlungen zum Ober kiefer, Rachen und Ohr.
Als charak
teristisch gilt fü r diese Neuralgie ein anfallsartiger heft iger Niesreiz (Soyka 1989). Wie bei der Cl usterneuralgie tritt häufiger Trän en- und Nasenfluss auf. Of tmals läßt sich das Schmerzbild als Clus ter-Kopfschmerz und Zervikalsyn drom auflösen, so daß die Sluder- Neuralg ie als eigenständiges Schmerzsynd rom umstritten ist (Thoden 1987).

6) Nasoziliarisneuralgie (Charlin Synd rom)
Der Nervus nasocil
iaris ist ein sensibler Ast des Nervus ophthalm icus, der mit seinem Endast (N. infratroch learis) die Unterl idschleimhaut sensibel versorgt.
Die ein
seitig auftretende Nasociliarisneuralgie ist gekennzeich net durch unterschiedlich l ang anhaltende Schmerz attacken im Bereich des inneren Augenw inkels mit regelmäßiger Ausstrahl ung zur Orbita (= Augenhöhle) und zum Nasen rücken. Während des Sch merzanfalls kommt es of t zu einer Rötung und vers tärkten Schweißsekretion im Bere ich der schmerzseitigen Stirnhälfte.
Triggermechan
ismen (= Auslösemechanismen) sind besch rieben. Am Auge können entzündl iche Veränderungen vorhanden sein.
Die Therapie der
Nasoziliarneuralg ie orientiert sich an der des Clus ter-Kopfschmerzes. Besonders zu em pfehlen ist die in tranasale (= in die Nase) Oberflächen anästhesie mit z.B. Lidocain-Spray 2% (= ein m ittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel) . Hil freich sind oft auch Infilt rationen im Gebiet des Ganglion cil iare mit einem lang wirkenden Lokalanästhet ikum oder Stellatumblockaden.

7) Okzipitalisneuralgie
Die primäre, idiopath ische (= als eigenständige Erkran kung auftretende) Okzipitalneuralg ie ist selten. Es tritt einseitig ein neuralgiformer Kopf schmerz im Versorgungsgebiet des Nervus occipital is major auf (Hinterkopf bis Scheitel höhe).
Die Diagnose ein
er Occipitalneuralgie wird durch pro batorische (= zur Klärung der Diagnose durchgeführte) Nerven blockaden mit z.B. 1-3 ml Me pivacain (= mittellang wirkendes örtliches Betäu bungsmittel) gesichert.
Wie bei der Tr
igeminusneuralgie l iegt häufiger eine atypische Form vo r, gekennzeichnet durch meis t einseitig auftretende Kopfschmerzen und l ängerfristigen Schmerzepisoden bis hin zu Dauersch merzen.
Medikamentös
können zur Behand
lung die Antikonvulsiva Carbamazepin, Gabapen tin oder Pregabalin (siehe oben / Trigeminus-Neuralg ie) eingesetzt werden.
Die Wirkung einer wiederholten Betäu
bung / Blockade des Nervs m it einem lang wirkenden örtl ichen Betäubungsmittel ist oft erstaunlich pos itiv.

8) Spermatikusneuralgie (Neuralg ie der Samenstrangs)
Diese Neuralgie ist gekennzeich
net durch kolikartige, zum Dam m ausstrahlende Samenstrang- und Hodensch merzen. Nicht selten wird d ie Neuralgie durch eine Nerven schädigung des genitofemoralis ausgelös t.
Zur Behandlung der Spermatikusneuralg ie ist die kontinuierliche B
lockade des Plexus lumbalis (= Nerven geflecht im Lendenbereich) mit Kat heter (= eingepflanzter dünner Kunst stoffschlauch) hilfreich.

9) Pudendusneuralgie
Die Pudendusneuralg
ie kommt relativ selten vor. Symp tom (= Krankheitszeichen): heft iger, zum Teil neuralgiformer Schmerz im Gesch lechtsbereich und der Dam mregion. Die Krankheit wird durch mechan ische oder entzündliche Schäd igung des Nervus pudendus in der Becken region ausgelöst. Hier bei kann es zu einem Sch merz im After, End darm, Damm, Harnröhre, Sch eide, Klitoris sowie Pen is und Hodensack kom men. Der Schmerzcharakter wird meis t als diffus, manch mal aber auch als stechend, bren nend, einschießend, ziehend oder nadelst ichartig beschrieben.

10) Mortonneuralgie (Morton-Synd rom)
Bei der Morton-Neuralg ie klagen die Patienten über einen vorw iegend brennenden, i.d.R. anfallsartig au ftretenden Schmerz (neuralgiformer) im Bere ich der vorderen Mittelfußknochen mit Auss trahlung in die Nachbarzehen. D ruck auf die (mehr vordere) Fu ßsohle wirkt schmerz auslösen d bzw. deutlich schmerz verstär kend.

11) Neuralgie des N.ischiadicus
Eine echte Ischias-Neuralg ie (Ischiasneuralgie), als eigenständ iges Krankheitsbild, gekennzeichne t durch häufige, attackenförm ige Schmerzen von wenigen Sekun den Dauer entlang des Nervenverlau fs (Rückseite Oberschenkel, hin terer und äußerer Unterschen kel, evtl. bis zur G roßzehe) ist selten.
Diese Neuralgie kann erfol
greich mit wiederhol ten Ischias-Blockaden mit einem lang wirkenden örtlichen Betäu bungsmittel behandelt werden. In har tnäckigen Fällen kommt die kontinuierl iche Blockade / Betäubu ng mit Katheter (= eingepflanzter dünner Kunststoffschlauch) zur An wendung.

12) Interkostalneuralgie
Es bes
tehen ziehende, gürtelförmige Zwischenrippenschmerzen en tlang einem oder mehreren Zwischen rippenräumen mit typischen Druc kpunkten paravertebral (= neben der Wir belsäule), in der Axillarl inie (= von der Achselhöhle abwärts) und param edian vorn (= neben der Mi ttellinie vorne). Betroffen sind d ie sog. Zwischenrippen nerven (Nn. intercostales). Daß diese Sch merzen paroxys mal, also streng attackenförmig au ftreten, wie es aufgrund des Begriffes "Neuralg ie" anzunehmen wäre, komm t relativ selten vor, in sofer n ist der Begriff "Interkostal neuralgie" nicht ganz zu treffend, besser wäre "Interkostal neuropathie".

13) Bing-Horton-Neuralgie
Haupt- und Leitsym ptom (= hauptsächliches und ri chtungsweisendes Krankheitszeichen) bei der Hor ton-Neuralgie ist ein s treng einseitig, in aller Regel per iorbital (= um das Auge herum) oder fron totemporal (= Stirn-/ Schläfenbereich) in Attac ken und vorwiegend nachts au ftretender Kopfschmerz von uner träglicher Intensität und einer durch schnittlichen Dauer bis zu wenigen Stu nden. Überwiegend wird der Sch merzcharakter mit bohrend oder b rennend angegeben. Typischerweise, jedoch nich t obligat (= zwingend), komm t es zu Tränenfluß und kon junktivaler Injektion (= Rötung des Auges), evtl. beg leitet von Miosis (= Engstellung der Pupille) und P tosis (partielles Horner-Syn drom) (= Verengung der Lidspal te) und Rh inorrhoe (= Nasenträufeln) als Beg leitsymptome (= begleitende Krankheitszeichen).
Manch mal treten auch Übel keit und Brech reiz auf, was zu Verwechsl ungen mit der Migräne füh ren kann.

14) Postzosterische Neuralgie
Als
pos tzosterische Neuralgie (Zosterneuralg ie) werden Nervenschmerzen bezeichne t, die nach dem Abheilen einer Gür telrose (Herpes zoster) verbleiben. I n der Regel liegen Dauersch merzen vor, manch mal mit anfallsartigen Schmerzverstärkun gen. Genaugenommen erfüllt diese Schmerz krankheit nicht die Kriterien einer ech ten Neuralgie.

15) Leistenneuralgie
Mit dem Begriff "Leistenneuralg ie" wird in der Regel ein (gewöhnl icher) Leistenschmerz bezeichne t, obwohl d ieser nur in Ausnahmefällen streng anfallsartig, also im Sin ne einer echten Neuralgie auftr itt. Ein anfallsartiger, einschiessender Leis tenschmerz strahlt nich t selten ins Gen ital (Hoden bzw. Schamlippe) und zur I nnenseite des Oberschenkels aus. Leisten schmerzen werden auch als Ingu inalschmerzen bezeichnet.

Besteht ein chron isches Schmerzsyndrom längerfrist ig, so ist davon auszu gehen, daß bereits ein Chron ifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stad ieneinteilung) vorliegt. In d iesen Fällen ist eine rein so matische (= körperliche) Schmerz behandlung kaum mehr aus reichend, sondern es m uss im Rahmen von psycholog isch /psychotherapeutische In terventionen auch eine speziel le Schmerzpsychotherapie erfol gen, was aber ambulan t kaum möglich is t, weil es nu r ganz wenige n iedergelassene Psychologen g ibt, die eine solche Weiter bildung absolvier t haben.


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