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SCHMERZTHERAPIEZENTRUM |
Erfahrung schon seit 1983
NEURALGIFORMER SCHMERZ
(NEURALGIE)
Eine
Neuralgie wird häufiger auch als neuralgiformer Schmerz bezeichnet (neuralgiform
= Neuralgie-artig). Der Begriff Neuralgie steht für eine spezielle Erkrankung einzelner Nerven.
Die (echte) Neuralgie ist gekennzeich net durch eine attackenweise au ftretender "heller" Sch merz im Ausbreitungsgebiet ein es sensiblen (= Wahrnehmung / Em pfindung betreffend) oder gem ischten (= Wahrnehmung / Empfindung sowie Musk elaktivität betreffend) Nervs, im eigen tlichen Sinne ohne Sen sibilitätsstörung und oh ne nachweisbare U rsache (Neuralg ia su i generis). Theoretisch könn te diese Schmerzform (echte Neuralgie) jeden Ner v betreffen. Die Praxis zeig t aber, daß nur wenige Nerven d ieses Krankheitsbild en twickeln können.
Wie komm t ein neuralgiformer Schmerz zustande ?
Aus bisher ungeklär ter Ursache, vermut lich aber durch Störungen im Metabol ismus (= Stoffwechselvorgänge), is t die Nervenzelle nich t in der Lage, ein stabiles Mem branpotential (= bioelektrische Ak tivität an biologischen St rukturen mit abschließender, begrenzen der oder trennender Fun ktion) von 60- 90mV (= 60-90 tausen dstel Volt) aufrech tzuerhalten, weshalb schon ger inge taktile (= den Tastsinn bet reffende) und therm ische (= die Temperatur betreffende) Re ize zu einer Depolarisat ion (= Verminderung oder Au fhebung der Spannung an der Trenn schicht) und dam it zu einem Schmerz füh ren können. Die nachfolgende Repo larisation (= Wiederauf bau der Spannung an der Trenn schicht) erfordert von der Zelle e ine hohe energetische Leist ung, die dem ohnehin geschwächten Me tabolismus (= Stoffwechselvorgänge) zus ätzlich abverlangt wird. M it jeder De- und nach folgenden Repolarisat ion erschöpfen sich zuneh mend die energetischen Reser ven und das Membranpotential sink t weiter ab, wodurch die An fälligkeit auf depolarisierende (= Verm inderung oder Aufhebung der S pannung an der Trennschicht bew irkende) Reize weiter zunimm t; damit tritt ein Circu lus vitiosus (= Teuf elskreis) ein, der aber im Rah men der speziellen Schmerztherapie m it Hilfe von wiederholten Nerven blockaden mit einem lang wirkenden, örtl ichen Betäubungsmittel nach haltig unterbrochen werden kan n (die sog. therapeutische Lokalanästhesie). Nervenblockaden in g rößerem Abstand (z.B. 2 x / Woche) reichen aber nich t aus, sondern es muß eine eng maschige Blockadeserie durch geführt werden, optimal 2x/Tag ü ber 14-12 Tage, auch an Wochen enden, was aber nur im Rah men einer stationären Sch merzbehandlung möglich ist.
Folgende Krankheits bilder / Schmerzsyndrome erfül len die Kriterien einer (ech ten) Neuralgie:
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1) Trigeminusneuralgie (Supraorbitalneuralgie, In fraorbitalneuralgie, Quintus-Neuralgie) |
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2) Intermedius-Neuralgie (Genikulatumneuralgie, Hun t-Neuralgie) |
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3) Glossopharyngeus-Neuralgie |
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4) Laryngeus superior-Neuralgie |
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5) Neuralgie des Ganglion pterygopalatinum (Sluder-Neuralg ie) |
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6) Nasoziliaris Neuralgie (Charlin Synd rom) |
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7) Okzipitalneuralgie (Okzipitalisneuralg ie) |
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8) Spermatikusneuralgie (Samenstrang neuralgie) |
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9) Pudendusneuralgie |
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10) Mortonneuralgie (Morton Metatarsalg ie, Interdigitalneuralgie) |
Weitere "Neuralg ien", bei denen aber trotz dieser Bezeich nung kein neuralgiformer Schmerz im Vordergrun d steht, sondern e her ein Dauerschmerz oder l änger anhaltende Sch merzepisoden:
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11) Ischiasneuralgie (Isch ias, Ischiasneuralgie, Ischiad ikusneuralgie) |
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12) Interkostalneuralgie (Intercostal neuralgie) |
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13) Bing-Horton-Neuralgie (Clusterkopfsch merzen, Nervus petrosus-Neuralg ie) |
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14) Postzosterische Neuralgie (Postzosterneuralg ie, Zosterneuralgie) |
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15) Leistenneuralgie (inguinale Neu ralgie, Ilioinguinal isneuralgie) |
Die einzelnen Kran kheitsbilder:
1)
Idiopathische
Trigeminusneuralgie
Die
Trigem
inusneuralgie
ist gekenn zeichnet durch an fal
lsartige
Schmerzattacken mit
max
imaler Stärke und überwiegend ku
rzer Dauer (Sekunden). Der
Sch
merz bereich deckt sich
m
it dem Ausbreitungsgebiet des be
troffenen
Nervenastes. Die
Schmerzan
fälle
können auch durch phys
iologische, taktile
(= den Tastsinn be
treffend),
thermische oder propriozept
ive
(= den Eigenreflex betreffende)
Reize ausgelöst werden. Häu
fige Triggermechanismen
(= Aus
lösemechanismen)
sind Kauen, Sprec
hen oder bestimmte
Gesichtsbeweg
ung
en, die
Berührung
bes
timmter Hautareale, die Einwirkung von Wasser ode
r generell Kälteexposition.
Me
istens sind bei der
Tri
geminusneuralgie Triggerpunkte bzw. Trig
gerzonen
(= Punkte, Zon
en, die
einen
Schmerz aus
lösen
können) iden
tifizierbar.
In der Regel tritt die
Schmerz
attacke
streng einseitig auf (5% beidsei
tig) und überwiegend i
m 2. und 3. Ast (ca.
4% 1.
Ast) (Thoden 1987). D
ie Beschwerden treten of
t periodisch auf,
schmerz
freie Intervalle sind häu
fig. Manchmal gehen die Attac
ken der
Trigeminus-Neu
ralgie auch in
äußerst sch
merzhafte längere Salven ü
ber. Bei stärksten Sch
merzattacken treten Zuckungen der
Gesich
tsmuskulatur hinzu (Tic dou
loureux).
Im Anfall ist die be
troffene
Gesichtspartie meist leicht gerö
tet, bedingt durch den
Schmerz kan
n
Tränensekretion ausgelöst werden, w
as dann oft zur Verwechs
lung mit dem
Cluster-Kopfschmerz fü
hrt, besonders wenn der 1. As
t betroffen ist. Im
Untersch
ied zum
Clusterkopfsch
merz
treten die
Schmerzanfälle
meis
t nur am Tage auf.
Bei der körperl
ichen Untersuchung sind die zu
gehörigen Nerven
austrittspunkte oft
drucksch
merzhaft (bei ca. 60%). Das weibl
iche Geschlecht und Patienten je
nseits
des 40. Lebensjahres erkran
ken häufiger an ein
er Trigeminusneuralgie.
Diagnostik: Ausführl
iche
Schmerzanamnese
(= Vorgeschichte), neurolog
ische
Untersuchung, bei unklaren Be
funden (z.B. neurologische Defizite) zusätzlich
Rön
tgenaufnahme der Schädel
basis und CT, u.U. auch Kerns
pintomographie sowie Liquordiagnostik (=
Un
tersuchung des Hirnwassers).
Medikamentöse Therapie der Tri
geminus-
Neuralgie:
Als erste Wah
l gelten heute Gabapentin oder Pregabal
in,
als 2.
Wahl Carbamazepin. Die
Kom
bination mit Baclo
fen hilft Gabapentin
bzw. Pregabal
in oder Carbamazepin
ein
zusparen. Gu
te Resultate sahen wir teil
weise auch unter einer Therapie mit Lam
otrigin.
In der Regel sin
d bei dieser
Neuralgie per
ipher wirksame
Analgetika
(=
Schmerzmi
ttel)
ohne Nu
tzen, zentral wirksame allen
falls in hoher Dosierung.
Bei stärksten
Sch
merzattacken mit statusähnlichem Charak
ter hat
sich die Verabreichung von Pheny
toin als Kurzinfusion bewährt.
Bewährt hat sich be
i der Trigeminusneuralgie
auch d
ie therapeutische Lokalanästhesie
(= Behan
dlung mit einem örtlichen
Betäubungsmi
ttel)
(Leeser et Hefermann
19
89). Dabei werden j
e
nach individueller Wirk
zeit 2-3 x täglich die betroffenen
Gesich
tsnerven
bzw.
Nervenäste an i
hren Austrittspunkten (Foramen su
praorbitale, infraorbitale oder
men
tale) mit ca. 1 ml
Bu
pivacain 0,5% blockiert und d
ie im Anfall dominan
ten
Schmerzareale und Trigger
zonen flächenhaft mit ca. 2-3 m
l Bupivacain
infiltriert. Ein
e Leitungsanästhesie der Nerven maxill
aris und mandibularis kann
auc
h durch die Incisura mand
ibulae
(= Einkerbung des
Un
terkiefer s nahe am
Kiefergelenk)
h
indurch mit jeweils ca. 2-3 m
l Bupivacain (0,5%) erfol
gen. Nächst
höhere Therapiestu
fen sind dann Bloc
kaden des Ganglion cervicale su
perius oder
Ganglion stellatum (= Schal
tstellen im
unwillkürlichen Nervensystem im hin
teren
Rachen - bzw. seitlichen Hals
bereich).
Unter dieser konsequen
ten, täglichen Therapie kan
n dann eine bestehende Car
bamazepin- (bzw. Gabapentin oder Pregabal
in-) Medikation langsam
aussch
leichend reduziert werden, oh
ne daß wieder ein he
ftiger, neuralgiformer Schmerz au
ftritt.
Neurochirurgische Interven
tionen sollten
nur dann zum Ein
satz kommen, wenn medikamentöse Behand
lungsversuche erfolglos
bleiben.
Nichtmedikamentöse Therapiemaßna
hmen haben sich bei d
iesem
Schmerz (neuralgiformer) nich
t oder nur ungenügend bewähr
t.
2)
Intermedius-Neuralgie
Diese
Gesichtsneuralgie
is t gekennzeichnet durch ein
en streng einseitigen, attacken
förmigen, lanzierenden Sch
merz
im Bereich des äußeren Gehör
gangs mit Ausstrahlung in die Tiefe des
Oh
r
es, zum
Gesicht,
bis hin zum
Gau
men
dach und
Oberkiefer. Häu
fig
strahlen die Besch
werden auch nach hin
ten bis und führen zu
Nackensch
merzen.
Oft gesellt sich eine Hypersek
retion der Speicheldrüsen
(= vermehr
te Speichelbildung)
dazu.
Neben der idiopath
ischen
(= eigenständige Erkrankung)
g
ibt es auch eine symptomatische
(= als Kran
kheitsfolge) Form bei
Zos
terinfektion des Ganglion gen
iculi, wobei auch eine
Fazial
isparese (=
Lähmung der
Gesichtsmus
keln)
auftritt.
Die Therapie der Wahl besteh
t bei der
Intermediusneuralgie in der
Verord
nung von Antikonvulsiva
(= krampf
lösende Mittel) (Gabapentin oder Pregabal
in als erste Wahl).
Erfolgversprechen
d ist auch eine Serie von Bloc
kaden des
Ganglion stellatum - oder cerv
icale superius
(= Betäubung einer vege
tativen
Schaltstelle im seitlichen Halsbe
reich bzw. hinter dem
Rac
hen).
Bei der
Hunt-Neuralgie
handel
t es sich ebenfalls um eine
Neuralg
ie des Nervus intermedius, d
ie
aber im Zusammenhang m
it einer
Zoster-Infektion
(=
Gürtelrose) en
tstand.
3)
Glossopharyngeus-Neuralgie
Ein stren
g einseitig auftretender, neuralgiformer Schmerz,
der vor
wiegend im Bereich des Rach
ens, des weichen Gaumens und des Zun
gengrundes
auftritt, manchmal au
ch mit Ausstrahlung zum Ohr h
in oder in die
Zäh
ne,
kennzeichnet diese Neural
gie.
Eine weitere Ähnlich
keit mit der Trigem
inusneuralgie besteht darin, daß of
t
Triggermechanismen (=
schmerz
auslösende Mechanismen) im
Schmerzbereich vorl
iegen.
Die Diagnose ein
er
Glossopharyngeusneuralgie ist ein
fach, wenn durch Spateldruck in
der Tonsillen
region
(= Mandelregion) eine t
ypische
Schmerzattacke
ausgelös
t werden kann. Teilweise geben die Patien
ten an, daß auch durch Gäh
nen
oder ausgedehnte
Zun
genbewegungen ein
Schmerzanfall
ausgelös
t werden kann.
Synkopen (= kurze
Bewußt
losigkeit) und Herzstillstände
sin
d beschrieben, dürften jedoch äußers
t selten sein. Manchmal strah
len die
Beschwerden zum
Mastoid
(=
Knoc
hen
hinter dem
Ohr) aus, was zu
r Verwechslung mit der In
termediusneuralgie führen kann.
Wie bei der Trigem
inusneuralgie kommen auch sch
merzfreie Intervalle vor.
Therapeutisch
gel
ten bei der Glossopharyngeusneuralg
ie als Mittel
der ersten Wahl Gabapen
tin oder Pregabalin, als zweite Wah
l Carbamazepin.
Hilfreich, vor al
lem wenn die Attacken nicht so häu
fig auftreten, ist bei d
ieser Neuralgie auch eine Ober
flächenanästhesie im hinteren
Rachen
bereich
mit 2%
igem Lidocain
(= ein mittellang wir
kendes örtliches Betäubungsmittel)
in Sprayfor
m. Mittels des langen u
nd dünnen Auslaßröhrchens können d
ie einzelnen
Hübe zieml
ich genau in den Triggerbereichen plazier
t werden. Der Patient kann
die Anwendung oh
ne weiteres vor dem Sp
iegel erlernen. Bei einer solchen
Sel
bstmedikation muß wegen der Ge
fahr der Überdosierung die Anzah
l der
Einzelhübe und der möglichen Gesam
thübe eines ganzen Tages vorgesch
rieben
werden.
Bei diesen
Gesich
tsschmerzen
kann auch eine w
iederholte Infiltrationsanästhesie
(= Spri
tzen mit einem örtlichen
Betäubun
gsmittel) mit Bupivacain 0,5%
versuch
t werden. Der Einstich erfolg
t am oberen Rand des vorderen
Gau
menbogens, ca. 1-2cm neben der Mittell
inie.
Eine gute Therapiemöglich
keit bietet auch die
Stellatumblockade oder Gan
glion cervicale superius-Blockade
(= Betäu
bung einer
vegetativen Schaltstelle im sei
tlichen Hals- bzw.
Rachenbereich).
Vor neuroly
tischen (=
nervenzerstörenden) Blockaden is
t
wegen der Gefahr der Nekrosebildu
ng
(= örtlicher Gewebstod) und nach
folgender In
fektion dringend zu warnen. Nach Jan
etta
(1967) können die neuralgiformen Beschwerden durch eine Kom
pression des
Nerven
durch die A. ver
tebralis
(= Schlagader im Ber
eich der
Wirbelsäule)
entstehen, wobei sich eine operative
Dekom
pression (=
Druckentlastung) anbietet.
4)
Laryngeus-superior-Neuralgie
Ein heftiger, neuralgiformer Schmerz, der
in der Regel se
kundenlang (bis zu 2 Min)
anhäl
t, kennzeichnet d
iese Neuralgie. Die Beschwerden werden hau
ptsächlich im
seitlichen Kehlkopf
bereich verspürt, nicht sel
ten aber dominieren die
Ausstrah
lungen zum
Unterkiefer (Kieferwin
kel) bis zum
Ohrläppchen oder
Gau
men und geben
dann zur Verwechsl
ung mit der Glosso
pharyngeusneuralgie Anlaß.
Es bilden sich typ
ische Triggermechanismen
(= Auslösemechan
ismen)
wie Schlucken, Sprechen, Hus
ten oder starkes Gähnen aus. Wie be
i der Trigem
inusneuralgie sind im Langzeitverlauf auch sch
merzfreie Intervalle möglich.
Die Besch
werden treten streng einseitig au
f.
Der Nerv entstamm
t dem N. vagus
(= ein sog. H
irnnerv). Er tritt seitlich du
rch die Membrana thyroidea h
indurch, wo er einer
Betäubung m
it einem
Lokalanästheti
kum
(=
örtliche Betäubungsmittel)
zugängl
ich ist. In hartnäckigen Fällen wir
d man sich zu Stellatumblockaden - oder Ganglion cerv
icale superius-Blockaden
(= Betäubungen einer
vege
tativen Schaltstelle im seit
lichen Hals- bzw.
Rachenbereich)
en
tschließen.
Ansonsten gel
ten medikamentös als
Mittel der ers
ten Wahl ebenfalls Gabapen
tin oder Pregabalin (2. Wahl
Car
bamazepin).
5)
Neuralg
ie
des Ganglion pterygopalatinum
(Sluder-Neuralg
ie)
Diese
Gesichtsneuralgie
ist charakter
isiert durch länger andauernde Attac
ken (bis zu 20 min, selten länger)
d
ie sowohl am Tage als auch in der Nach
t auftreten können. Betroffen is
t
einseitig die Orbita
(= Augen
höhle), der innere
Augenwin
kel und die
Nasenwurzel, oft mit Auss
trahlungen zum
Ober
kiefer,
Rachen
und
Ohr.
Als charak
teristisch gilt fü
r diese Neuralgie
ein anfallsartiger heft
iger Niesreiz (Soyka 1989). Wie bei der Cl
usterneuralgie tritt häufiger Trän
en- und Nasenfluss auf. Of
tmals läßt sich
das Schmerzbild als
Clus
ter-Kopfschmerz und
Zervikalsyn
drom auflösen, so daß die Sluder-
Neuralg
ie als eigenständiges
Schmerzsynd
rom
umstritten ist (Thoden 1987).
6)
Nasoziliarisneuralgie
(Charlin
Synd
rom)
Der Nervus nasocil
iaris ist ein sensibler Ast des Nervus ophthalm
icus, der mit seinem Endast (N.
infratroch
learis) die Unterl
idschleimhaut sensibel versorgt.
Die ein
seitig auftretende Nasociliarisneuralgie ist gekennzeich
net
durch unterschiedlich l
ang anhaltende
Schmerz
attacken im Bereich des inneren Augenw
inkels mit regelmäßiger Ausstrahl
ung zur
Orbita (= Augenhöhle)
und zum Nasen
rücken. Während des
Sch
merzanfalls kommt es of
t zu einer Rötung und vers
tärkten Schweißsekretion im
Bere
ich der schmerzseitigen
Stirnhälfte.
Triggermechan
ismen (=
Auslösemechanismen) sind besch
rieben.
Am Auge können entzündl
iche Veränderungen vorhanden sein.
Die Therapie der
Nasoziliarneuralg
ie orientiert sich an der des
Clus
ter-Kopfschmerzes. Besonders zu em
pfehlen ist die in
tranasale
(= in die
Nase)
Oberflächen
anästhesie mit z.B. Lidocain-Spray 2%
(= ein m
ittellang wirkendes
örtliches Betäubungsmittel) .
Hil
freich sind oft auch Infilt
rationen im Gebiet des Ganglion cil
iare mit einem lang wirkenden
Lokalanästhet
ikum oder
Stellatumblockaden.
7)
Okzipitalisneuralgie
Die primäre, idiopath
ische
(= als eigenständige Erkran
kung
auftretende)
Okzipitalneuralg
ie
ist selten. Es tritt einseitig ein neuralgiformer
Kopf
schmerz im
Versorgungsgebiet des Nervus occipital
is major auf (Hinterkopf
bis Scheitel
höhe).
Die Diagnose ein
er
Occipitalneuralgie
wird durch pro
batorische
(= zur Klärung der Diagnose durchgeführte)
Nerven
blockaden mit z.B. 1-3 ml Me
pivacain
(= mittellang wirkendes örtliches
Betäu
bungsmittel) gesichert.
Wie bei der Trigeminusneuralgie l
iegt häufiger eine atypische Form vo
r, gekennzeichnet durch
meis
t einseitig auftretende
Kopfschmerzen und
l
ängerfristigen Schmerzepisoden bis hin zu
Dauersch
merzen.
Medikamentös können zur Behand
lung die Antikonvulsiva Carbamazepin,
Gabapen
tin oder Pregabalin (siehe oben / Trigeminus-Neuralg
ie) eingesetzt werden.
Die Wirkung einer wiederholten Betäu
bung / Blockade des Nervs m
it einem
lang wirkenden örtl
ichen Betäubungsmittel ist oft erstaunlich pos
itiv.
8)
Spermatikusneuralgie (Neuralg
ie
der Samenstrangs)
Diese Neuralgie
ist gekennzeich
net durch kolikartige, zum
Dam
m
ausstrahlende
Samenstrang- und
Hodensch
merzen.
Nicht selten wird d
ie Neuralgie
durch eine
Nerven
schädigung
des genitofemoralis ausgelös
t.
Zur Behandlung der
Spermatikusneuralg ie ist die
kontinuierliche B
lockade des Plexus lumbalis
(= Nerven
geflecht im Lendenbereich)
mit Kat
heter (= eingepflanzter dünner Kunst
stoffschlauch)
hilfreich.
9)
Pudendusneuralgie
Die Pudendusneuralg
ie kommt relativ selten vor.
Symp
tom (= Krankheitszeichen): heft
iger, zum Teil
neuralgiformer Schmerz im
Gesch
lechtsbereich und der
Dam
mregion. Die Krankheit wird durch mechan
ische oder entzündliche Schäd
igung des
Nervus pudendus in der
Becken
region
ausgelöst. Hier
bei kann es zu einem Sch
merz im
After,
End
darm,
Damm,
Harnröhre,
Sch
eide, Klitoris sowie
Pen
is und
Hodensack kom
men.
Der Schmerzcharakter wird meis
t als diffus, manch
mal aber auch als stechend,
bren
nend, einschießend, ziehend oder nadelst
ichartig beschrieben.
10)
Mortonneuralgie (Morton-Synd
rom)
Bei der
Morton-Neuralg
ie klagen die Patienten über
einen vorw
iegend brennenden, i.d.R. anfallsartig au
ftretenden
Schmerz (neuralgiformer) im
Bere
ich der vorderen
Mittelfußknochen mit
Auss
trahlung in die Nachbarzehen. D
ruck auf
die (mehr vordere)
Fu
ßsohle wirkt
schmerz
auslösen
d bzw. deutlich
schmerz
verstär
kend.
11) Neuralgie
des N.ischiadicus
Eine echte
Ischias-Neuralg
ie (Ischiasneuralgie), als eigenständ
iges Krankheitsbild, gekennzeichne
t durch
häufige, attackenförm
ige Schmerzen von wenigen Sekun
den Dauer entlang des
Nervenverlau
fs (Rückseite
Oberschenkel,
hin
terer und äußerer
Unterschen
kel,
evtl. bis zur G
roßzehe) ist selten.
Diese Neuralgie
kann erfol
greich mit wiederhol
ten
Ischias-Blockaden mit einem lang wirkenden örtlichen Betäu
bungsmittel behandelt
werden. In har
tnäckigen Fällen kommt die kontinuierl
iche Blockade /
Betäubu
ng mit Katheter
(= eingepflanzter dünner
Kunststoffschlauch) zur An
wendung.
12)
Interkostalneuralgie
Es bes
tehen ziehende, gürtelförmige
Zwischenrippenschmerzen en
tlang einem oder mehreren
Zwischen
rippenräumen mit typischen Druc
kpunkten paravertebral
(= neben der Wir
belsäule),
in der Axillarl
inie
(= von der Achselhöhle abwärts) und
param
edian vorn (=
neben der Mi
ttellinie vorne).
Betroffen sind d
ie sog. Zwischenrippen
nerven (Nn. intercostales). Daß diese Sch merzen paroxys
mal, also streng attackenförmig
au
ftreten, wie es aufgrund des Begriffes "Neuralg
ie"
anzunehmen wäre, komm
t relativ selten vor, in sofer
n ist der Begriff "Interkostal
neuralgie"
nicht ganz zu
treffend, besser wäre "Interkostal
neuropathie".
13)
Bing-Horton-Neuralgie
Haupt- und Leitsym ptom
(= hauptsächliches und ri chtungsweisendes Krankheitszeichen)
bei der Hor ton-Neuralgie
ist ein s treng einseitig, in
aller Regel per iorbital
(= um das Auge herum)
oder fron totemporal
(=
Stirn-/
Schläfenbereich)
in Attac ken und vorwiegend nachts au
ftretender Kopfschmerz von uner träglicher
Intensität und einer durch schnittlichen Dauer bis zu wenigen Stu
nden.
Überwiegend wird der Sch merzcharakter mit bohrend oder b
rennend angegeben.
Typischerweise, jedoch nich t obligat (=
zwingend), komm
t es zu Tränenfluß und kon junktivaler
Injektion (= Rötung
des Auges),
evtl. beg leitet von Miosis
(= Engstellung der Pupille)
und P tosis (partielles Horner-Syn
drom)
(= Verengung der Lidspal
te)
und Rh inorrhoe (=
Nasenträufeln)
als Beg leitsymptome
(= begleitende Krankheitszeichen).
Manch mal treten auch Übel
keit und Brech reiz auf, was zu
Verwechsl ungen mit der Migräne
füh ren kann.
14)
Postzosterische Neuralgie
Als pos
tzosterische Neuralgie
(Zosterneuralg
ie) werden
Nervenschmerzen
bezeichne
t, die nach dem Abheilen einer
Gür
telrose (Herpes
zoster) verbleiben. I
n der Regel liegen
Dauersch
merzen vor, manch
mal mit anfallsartigen Schmerzverstärkun
gen.
Genaugenommen erfüllt diese
Schmerz
krankheit nicht die Kriterien einer
ech
ten
Neuralgie.
15) Leistenneuralgie
Mit dem Begriff
"Leistenneuralg
ie" wird in der Regel ein
(gewöhnl
icher) Leistenschmerz bezeichne
t, obwohl d
ieser nur in
Ausnahmefällen streng anfallsartig, also im Sin
ne einer echten
Neuralgie
auftr
itt. Ein anfallsartiger, einschiessender
Leis
tenschmerz strahlt nich
t selten ins
Gen
ital (Hoden bzw. Schamlippe) und zur I
nnenseite des Oberschenkels aus.
Leisten
schmerzen werden auch als
Ingu
inalschmerzen bezeichnet.
Besteht ein chron isches Schmerzsyndrom längerfrist ig, so ist davon auszu gehen, daß bereits ein Chron ifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stad ieneinteilung) vorliegt. In d iesen Fällen ist eine rein so matische (= körperliche) Schmerz behandlung kaum mehr aus reichend, sondern es m uss im Rahmen von psycholog isch /psychotherapeutische In terventionen auch eine speziel le Schmerzpsychotherapie erfol gen, was aber ambulan t kaum möglich is t, weil es nu r ganz wenige n iedergelassene Psychologen g ibt, die eine solche Weiter bildung absolvier t haben.
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SCHMERZTHERAPIEZENTRUM Bad Mergentheim?
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